Podcast des Berliner Spielplan Audiodeskription

Podcast des Berliner Spielplan Audiodeskription

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Herzlich willkommen zur audiodeskriptiven Einführung in das Stück Die Welt im Rücken.

00:00:31: Musik, Sixtus Preis.

00:00:33: Choreografie, Björn Lese.

00:00:36: Outside Eye, Mats Südhoff.

00:00:38: Licht, Felix Dreyer.

00:00:40: Dramaturgie, Gwendolyne Melchinger.

00:00:44: Mit Paulina Alpen, Tim Bühlo, Pauline Grossmann, Felix Jondan, Mina Petschik, Karl-Leven Schröder und Silvia Schwinger.

00:00:54: Als eine der zehn bemarkenswerten Inszenierungen wird die Welt im Rücken, im Rahmen des Berliner Theatertreffens am vierzehnten Mai mit Live-Audiodeskription im Haus der Berliner Festspiele gezeigt.

00:01:10: Der Saal umfasst in Paket rund siebenhundert Plätze.

00:01:13: Die Innenwand des Zuschauerraums ist mit Hellemholz ausgekleidet.

00:01:17: Die kantig geformten Polsterstühle mit grobem Senvgelbem Stoff sind auf einer sanft ansteigenden und leicht geschwongenen Tribüne platziert.

00:01:26: Ein Rang mit noch einmal fast dreihundert Plätzen hinten zieht sich über die ganze Breite.

00:01:32: Zur Romanvorlage In Die Welt im Rücken von zwei tausendsechzehn erzählt Schriftsteller Thomas Melle, von seiner manisch depressiven Erkrankung auch bipolare Störung genannt.

00:01:44: Melle schildert wie die Manie in die Depression wechselt und wie ein leiser zackhafter Neubeginn entsteht der doch wieder eine neue Manie mündet Das Leben als Rausch, als Superstar mit Höhenflügen.

00:01:57: Als Gott!

00:01:58: Dann der Absturz ins Bodenlose in die Stille – in das

00:02:01: Nichts.".

00:02:03: In seinem autobiografischen Werk beschreibt Melle sein zerrissenes Leben, seinen Umgang mit der Krankheit und seine persönlichen Verluste.

00:02:12: Die Figuren Im Zentrum des Abends steht Ich-Erzähler Thomas Melle gespielt von Paulina Alpen.

00:02:20: Zu ihm auf die Bühne treten sechs Doppelgänger die ihm aufs Haar gleichen.

00:02:25: Die Doppelgänger werden von drei Schauspielerinnen und drei Schauspielern dargestellt, der Einfachheit halber verwendet die Audiodeskription das generische Maskulinum – Doppellgänger.

00:02:36: Paulina Alpen ist Mitte dreißig, ein Meter sechsundsechzig groß und hat braune Augen.

00:02:41: Als Thomas Melle trägt sie eine ashblonde Kurzhaarperücke vorn mit kurzem geradem Pony hinten etwas länger und strenig.

00:02:49: Melle schaut aus wie ein trauriger Clown.

00:02:52: Sein Gesicht ist weiß geschminkt, seine großen Augen sind rot umrandet.

00:02:57: Unter den Augen bilden die verschmierte rote Schminke nach unten hin spitzzulaufende Dreiecke.

00:03:02: Der Anzug bohlt sich hinten zu einem unförmigen Buckel und an den gepolsterten Armen zu plumper Muskelmasse aus.

00:03:09: Den Hals bringt er ganz zum Verschwinden.

00:03:12: Auf der Brust-und an den Ellbogen ist das Suit mit einem Lack im selben Knallrot beschichtet.

00:03:18: Darauf setzt sich ebenfalls aus Lack ein Haarnentrittmuster ab.

00:03:22: Unterm Kinn ragt ein Schneeweißer Spitzkragen heraus.

00:03:26: Zum Fettsuit trägt Alpen als Melle kurze knallrote Lackshorts, unter denen ihre atletischen Beine hervorragen und Kniehohe weiße Chucks – das sind Stoffschuhe mit Kreuz-Schnürung die in dieser hohen Variante bis hoch ans Knie reichen.

00:03:40: Über den Knien trägt sie unauffällige weiße Schoner.

00:03:44: Im knallroten Fettshoot wirkt der Schriftsteller einwattiert und verpanzert.

00:03:48: Der hochgeschlossene Spitzkragen und die Chucks in Weiß verleihen ihm dabei zugleich etwas Kindliches und Unschuldiges.

00:03:56: Anfangs steht Melle oft in Entenstellung,

00:03:58: d.h.,

00:03:59: die Fersen stoßen dicht an dicht eineinander.

00:04:02: Die großen Sehen zeigen nach links und rechts weit auseinander.

00:04:06: Dazu schaut er oft nervös an sich herab.

00:04:08: Später dann breitet er häufig die Arme weitaus – prophetisch wie Jesus vor seinen Jüngern!

00:04:18: Die sechs Doppelgänger unterscheiden sich von ihrem Original zwar in Größe und Statur, sind ansonsten aber perfekte Melle-Lookalikes mit Perücke, weißer Schminke, Fat Suit, Shorts & Chucks.

00:04:31: In einer Szene treten die Doppellgänger mit engen roten Sweatshirts statt der Suits auf.

00:04:36: Um den plumpen Melle herum erscheinen sie dann leicht und kratzel.

00:04:41: Den Doppmelgängern werden mehrere Funktionen zuteil.

00:04:44: Mal dienen Sie Melle als Projektionsfläche, mal als Komplizen.

00:04:48: Mal als Facetten seiner krankheitsbedingt multiplen Persönlichkeit.

00:04:53: In manchen Szenen stellen sie das Außen dar – also die Perspektive der Außenwelt auf den Erkrankten.

00:05:00: Fast immer schweigend kommentieren die sechs Melles-Auftreten doch mimikreich zum Beispiel mit Clownesskem Dauerfalksen oder angewiderte Nase rümpfen.

00:05:11: Mit Hilfe seiner Doppelgänger verwandelt sich Meller auf dem Höhepunkt seines Warns in ein Tablettenmonster.

00:05:18: Die sechs stülpen ihm eine giftgrüne Silikonmaske über, eng anliegend wie eine Stromhaube schmiegt die sich perfekt an seinen Kopf.

00:05:26: nur Mund und Nasenlöcher bleiben frei.

00:05:29: Anstelle einer Nase kleben den Monster drei dicke fette weiße Glubschaugen mit kleinen schwarzen Popillen mitten auf der Fratze.

00:05:38: Zur Maske werden Melle überdimensionierte, mortadellafarbene Gipsfäuste an die Arme gesteckt.

00:05:44: Außen sind sie mit einer dicken Schicht von glänzendem Harz überzogen.

00:05:48: Die starren komikhaft klubigen Handschuhe reichen ihm bis an die Ellbogen und sorgen für eine optische Verlängerung seiner Arme.

00:05:56: Komplettiert wird das Monsterkostüm von einem üppigen Mantel der einem Cape ähnlich unterm Kinn befestigt wird.

00:06:03: Der Monster-Mantel besteht aus vielen voluminösen, knallbunden Schichten verschiedenster Farben und Texturen.

00:06:10: Zungenförmige Latexlappen in türkis & Königsblau hängen wie zerlaufender Joghurt über silberglitzenden Kettenhemdartigen Leiern.

00:06:19: Darunter schaut ein rosa Lackrock heraus der sich an meldes Beine schmiegt Aufgebaut statt Tüll in lachsrot und bonbon Rosa haftet.

00:06:27: an der linken Schulterpartie Rechts reicht ein alten grüner Spitzenschleier mit eingenähten Riesenbombons und Lolis bis zum Boden.

00:06:36: Irgendwo ist ein pinker Rühschenrock eingenädt, ab-und an funkeln Payetten im Bühnenlicht.

00:06:41: Um den Hals trägt das melle Tablettenmonster eine Kette mit bunten übergroßen Arzneikapseln.

00:06:47: Aus Schwimmnudeln gefertigte Pillen diverser Größen und Farben haften an den zahlreichen Layern des schrillen groteskasymetrischen Gewanz die Bühne.

00:06:58: Paula Wellmann hat die Welt im Rücken mit einem opulenten, satt-bonbon Rosa Bühnenbild ausgestattet.

00:07:04: Eine zentrale Rolle spielt.

00:07:06: ein mehrteiliger Knallrosa Theatervorhang Erhöhlt die Bühne ein und ermöglicht mehrere Spielebenen Zum Vorhang.

00:07:16: Ein klassischer Theatervorrang Mit drei Faltenbögen oben sowie Seitenvorhängen mit Kordelzügen links und rechts Rahmt den Blick auf die Büne.

00:07:25: Zu Beginn verschließt ein Faltenvorhang die Bühne, nur die Portalgasse bleibt frei.

00:07:30: Das ist ein schmaler Weg vorn parallel zur Rampe.

00:07:33: Sobald sich der Faltenvorhang nach oben öffnet gibt er den Blick auf die leere Vorbühne frei.

00:07:39: Diese wird nach hinten durch einen weiteren Bombo-Rosa-Faltenvorhang begrenzt.

00:07:44: Mittig in diesen ist eine breite Drehtür eingelassen – auch die in Faltenforhangoptik.

00:07:50: Über der Tür hängt ein ikonisches Gründäuchten des Notausgangsschilds.

00:07:54: Darauf flüchtet ein weißes Symbolmännchen in Richtung eines weißen Pfeils zu einem Ausgang.

00:08:00: Fährt auch der Vorhang mit Drehtür und Exitschild hoch, offenbart sich die große weiter Hauptbühne.

00:08:06: Ein weiterer gigantischer Rosa-Vorhang bildet einen Rundhorizont, der die Hauptbüne einfasst.

00:08:12: Die verschiedenen Vorhänge, die die Bühne im Portalgasse vor Bühnen und Hauptbünen teilen öffnen sich sukzessive.

00:08:20: Wie bei einem Computerspiel, in dem immer neue Level freigespielt werden erreicht Melle immer neue Dimensionen des Wahnsinns.

00:08:28: Steg und Podest In der Mitte der Hauptbühne als zentrales Bühnen-Element tonnt ein knapp einen Meter hohes, rosa Podest.

00:08:37: Ähnlich einer dreistöckigen Torte ist dieses Rund unter drei Ebenen.

00:08:42: Die untere breiteste Ebene hat einen Durchmesser von knapp drei Metern.

00:08:47: Um das Tortenpodest herum mit nur etwa einem Meter Abstand verläuft ein schmaler, runder Steg in Form eines Dreiviertelkreises.

00:08:55: Das fehlende Viertel ermöglicht dem Publikum frontal den Blick aufs Tortenpudest.

00:09:00: Links und rechts des Pudests führen je zwölf Showtreppenartige Stufen von der Bühne auf den Steg.

00:09:07: Dieser überragt das Podest um nur wenige Zentimeter.

00:09:11: Die Showtreppe nehmen den Großteil des Steekonstruktes ein.

00:09:14: Eine weitere kleine Treppe mit fünf Stufen ist hinter dem Steg angebracht.

00:09:19: Sie ist nur zu sehen, wenn die Drehscheibe rotiert.

00:09:22: Die Drehscheibe fügt sich flach und völlig unscheinbar in den Rosa-Bühnenboden ein.

00:09:28: Ihr Durchmesser umfasst beinahe die gesamte Hauptbühne, Steg und Podest stehen im Zentrum der Scheibe.

00:09:35: Steg & Podest bilden die Kulisse auf der sich Thomas Melle und seine Doppelgänger auf dem Gipfel der Mani wie Popstars ins Szene setzen.

00:09:45: Direktvisiten Für eine Szene wird ein schlichtes, zweisitzer Sofa mit Bonbon-Rosa-Stoffüberwurf unter dem vorderen Vorhang nach vorne geschoben.

00:09:55: Links daneben einen Runder ebenfalls abgedeckter Beistelltisch – darauf eine einfache Nachttischlampe mit rotem Stoffschirm.

00:10:03: Darüber hinaus gibt es sieben qualmende Theaterzigaretten, sieben kleine Notizbücher mit Stiftschlaufen an der Seite, siebene weiße Kugelschreiber und sieben Baseballschläger aus Aluminium.

00:10:16: Licht!

00:10:17: Atmosphärisch bestimmt wird die Welt im Rücken durch einen vielfältigen Einsatz von Licht.

00:10:23: Oft fokussieren helle Spotlights den monologisierenden oder posierenden Mälle, immer wieder verfolgt in ein Suchscheinwerfer.

00:10:31: Für einzelne Szenen wird die gesamte Bühne insattesfarbiges Licht getaucht.

00:10:36: Mal erscheint die Bombo-Rosa-Bühne dadurch Fliederfarben und Bläulichkühl.

00:10:42: Einmal sind die Doppelgänger auf der Hauptbühne in tiefem Pflaumenrot nur silhouettenhaft zu erkennen Während Melle, wie so oft im Spotlicht steht.

00:10:52: Über dem Podest senken sich sieben grellweißstrahlende Leuchtstoffröhren.

00:10:56: Sie wirken willkürlich angeordnet.

00:10:59: Eine verläuft annähernd horizontal Die restlichen hängen Kreuz und quer als einzelne Diagonalen Sowohl von links oben nach rechts unten Als auch anders herum.

00:11:09: Alle sieben gleiten stets gemeinsam in exakt gleicher Formation Und gleichem Tempo aus dem Schnürboden.

00:11:16: Sie hängen aber stets außer Reichweite der Figuren.

00:11:19: Zudem gibt es sieben rechteckige Leuchtpanels, die ebenfalls synchron von oben herunterfahren.

00:11:25: Die siebenflachen Leuchthafeln erstrahlen meist in intensive magenta-rot – sie können sich aber auch mal einzeln weiß oder rosa färben.

00:11:34: Wie die Leuchtstoffröhren ändern sie ihre Positionen zueinander nicht und hängen ebenfalls weit oben.

00:11:41: Für die Monsterszene senkt sich eine schwarze Lichtbrücke.

00:11:45: Das ist ein robuster, waagerechter Metallbalken der im Theater normalerweise oben im Schnürboden bleibt.

00:11:51: Insgesamt dreizehn Scheinwerfer daran reihen sich aneinander und sorgen fürs Oberlicht.

00:11:56: Für die Welt im Rücken gleitet die Lichtbrücke langsam und unauffällig aus dem Schnür-Boden und stoppt fünf Meter über den Bühnenboden.

00:12:05: Zur Inszenierung!

00:12:07: Regisseurin Lucia Biela setzt auf abstrakte Formstränge Wie Polypocket-Figuren, ihren Mälle und seine sechs Doppelgänger durch eine farbenprächtige kompakte und axensymmetrische Kunstwelt.

00:12:19: Bei allem Bonbon Rosa wirkt diese Welt düster und dystopisch!

00:12:24: In die Welt im Rücken dominieren solche Gegensätze.

00:12:28: Schon dass Bieler ihren Thomas Melle seine schwere psychische Erkrankung im soften Rosa durchleben lässt erscheint widersprüchlich.

00:12:36: In ihrer Inszenierung treffen Ordnung und Chaos immer wieder aufeinander.

00:12:40: Zum Beispiel, wenn Melle als Tablettenmonster im absurd schrägen Fetzen gewandt vor der akkurat symmetrischen Konstruktion aus Podest und Steg wütet.

00:12:49: Oder wenn die Mechanik der schmucklosen Lichtbrücke und die Aluminiumoptik der Baseballschläger mit dem süßlichen Setting der Bühne brechen!

00:12:58: Die Welt im Rücken ist eine wilde Achterbahnfahrt.

00:13:01: Looping folgt auf Looping – und immer geht es doch noch mal.

00:13:05: ein bisschen doller, ein bisschen bunter… Ein bisschen shriller... Dank der Feinheit des Spiels von Paulina Alpen und ihrer sechs Mitstreiterinnen ist dabei die Einsamkeit des Protagonisten trotzdem allgegenwärtig.

00:13:20: Das war die audiodeskriptive Einführung zu «Die Welt im Rücken».

00:13:25: Die Hörtheaterfassung entstand in Kooperation mit dem Theatertreffen der Berliner Festspiele, und dem Schauspiel Stuttgart – Text Charlotte Miegel & Katrin Wirmer Redaktion Imke Baumann Sprecherin der audiodesskriftiven Einführungen Nadja Schulz-Berlinghoff, Tonregie Imke Baumann, Tontechnik Alex Izzudeles Haus der Berliner Festspiele.

00:13:47: Wir wünschen Ihnen einen anregenden Theaterabend!

Über diesen Podcast

Auf diesem Podcast-Kanal finden Sie audiodeskriptive Einführungen zu unseren Stücken sowie Wegbeschreibungen zu unseren sieben Partnerhäusern. Außerdem veröffentlichen wir hier die Episoden unseres Theaterclubs, Theatergespräche, Interviews und vieles mehr. Auch die 16 Folgen von Andreas Brünings Podcast-Magazin (2019-2022) sind hier zu finden.

von und mit Berliner Spielplan Audiodeskription

Abonnieren

Follow us